Guckheim

Historie

 

Guckheim besteht aus den Ortsteilen Guckheim und Wörsdorf. In früheren Jahren waren die beiden Ortsteile auch räumlich voneinander getrennt. Sie wuchsen im Laufe der Jahrhunderte zu einer geschlossenen Ortschaft zusammen.

Im Volksmund wird unser Dorf "Guggem" bzw. "Werschdorf" genannt. Die Schreibweise der beiden Dorfteile hat sich in der Vergangenheit mehrmals gewandelt. In alten Büchern finden wir die Bezeichnungen Gocheim, Cochem, Wersdorf, Werstorf, Werstorff und Wirsdorf. Die Namen "Cochem" bzw. "Wirsdorf" hielten sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Guckheim wird erstmals in den Jahren 1299, 1305 und 1334 urkundlich erwähnt. Unter den Aufzeichnungen von W. H. Struck "Quellen zur Geschichte der Klöster und Stifte im Gebiet der mittleren Lahn bis zum Ausgang des Mittelalters", Band 3, Seite 469 sind folgende Einzelheiten vermerkt:

14. Dezember 1299
Elisabeth gen. von Dorndorf (Dorndorf). Ww. des Ritters Heinrich von Sottenbach, schenkt all ihren beweglichen (bona mea mobilia, utensilia affernalia) und unbeweglichen Besitz in den Dörfern und Gemarkungen Stenbach (Steinbach), Dorringdorf (Dorndorf) Hausen, Vridekobin (Frickhofen), Gocheim (Guckheim) und Wermolderode (Willmenrod) an Hofstätten, Häusern, Höfen, Gärten, Wiesen, Weiden, Wäldern, Fischereien, Zinseinkünften oder anderem der Äbtissin und dem Konvent der Nonnen in Gnadenthal (in valle gracie) zum Heil ihrer Seele und der ihrer Eltern und aller ihrer Vorfahren vor den Schultheißen, Schöffen und anderen Dorfbewohnern und überweist die Güter dem Kloster zu Händen seines Prokurators als Eigentum. - Sgg. des Grafen Gerhard von Diez des Gottfried gen. im Hof (in Curia), Friedrich gen. Stayl und des Hiltwin von Elkershausen, Ritter.

- Actum et d. 1299 in crastino beate virginis (Lucie). 19 kalendas Januarii

 

Ausschnitt aus der Nassovia Comitatus im Jahr 1645

Ausschnitt aus der Nassovia Comitatus im Jahr 1645

 

In den nassauischen Annalen, Jahrbuch des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Ausgabe 1952, 63. Band, Seite 324, finden wir folgende Aufzeichnungen:

1299 Gocheim, hatten die von Piesport 1735 einen Hof. Güter kamen hier von Elisabeth von Dorndorf, Witwe von Sottenbach, 1299 ans Kloster Gnadenthal, 1305 an die Ritz von Dehrn und 1334 an die von Schönborn. Wiesen hatten hier die von Mudersbach, die über die von Brambach 1694 an die von Walderdorf kamen. Die Mühle besaß Leiningen-Westerburg 1511 und noch 1786. Eine Braunkohlengrube war 1746 hier in Betrieb.

Gemeindewappen Guckheim animiertWörsdorf finden wir in alten Urkunden erstmals 1285, 1315, 1346 und 1525 aufgeführt:

... Wirsdorf, wo die Herren von Westerburg, die von Ottenstein. Reifenberg, Brambach und Riedesel 1525 Höfe hatten.
Der Ritter Ludwig Scherre von Waldmannshausen stiftete 1315 von seinen Gütern hier ein ewiges Licht in die Klosterkirche zu Seligenstatt und die Rödel von Reifenberg werden 1346 von Molsberg mit einem Gute hier belehnt.


... Wirsdorf, wo die Herren von Westerburg, die von Ottenstein. Reifenberg, Brambach und Riedesel 1525 Höfe hatten.
Der Ritter Ludwig Scherre von Waldmannshausen stiftete 1315 von seinen Gütern hier ein ewiges Licht in die Klosterkirche zu Seligenstatt und die Rödel von Reifenberg werden 1346 von Molsberg mit einem Gute hier belehnt.

 

Bild Wald GuckheimIm Jahre 1564 zählte Wirsdorf 8 Feuerstellen (Häuser). Guckheim gehörte wahrscheinlich von jeher der Pfarrei Salz an. Wirsdorf wird im Jahre 1529 und 1564 zu Salz gehörig aufgeführt.
Nach der Reformation wurde die Pfarrstelle in Salz von einem lutherischen Pfarrer namens Bernstein besetzt. Er hat als Pfarrer in den Jahren 1558 bis 1563 in Salz gewirkt und hatte es hier sehr schwer, die neue Lehre zu verkünden. In seiner Arbeit wurde er von Kaplan Tilmann Krumer aus Wirsdorf (ein Sohn unserer Gemeinde) unterstützt. Nach dem Weggang Bernsteins verwaltete Tilmann Krumer als lutherischer Pastor bis zum Jahre 1565 die Stelle in Salz. Etwa vom Jahre 1568 an war die Pfarrstelle wieder von einem katholischen Pfarrer besetzt. Durch alle Generationen hindurch waren die Menschen mit der Pfarrkirche in Salz eng verbunden. Der Weg zu ihr war ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden. Wind und Wetter konnte sie nicht von dem Gang zur Kirche abhalten. Aus dem Dreißigjährigen Krieg ist durch Überlieferung bekannt, daß in Guckheim gegenüber dem Dorfkreuz Ortseinwohner mißhandelt wurden.

 

Kapelle Rothenberg GuckheimUnsere Vorfahren fristeten hier in unserem Westerwalddorf ein armes Leben. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier kaum Industrie, und so mußten die Menschen den Lebensunterhalt für ihre meist großen Familien der kargen Scholle abringen. Manch junger Bursche hat sein Ränzel gepackt und ist in eine Industriestadt gezogen oder gar nach Amerika ausgewandert. Nach einer Mißernte herrschte bei den einzelnen Familien große Not. So ist nach einer Begebenheit aus Erzählungen alter Leute aus dieser Zeit bekannt: Es war an Weihnachten, frühmorgens weckt die Mutter ihre Kinder und berichtet ihnen: "Ihr Bouwe, kommt rasch runner, det Chrestkindche wor do un hot auch Erpel un Äppel gebrocht."

 

Die Armut war der ständige Begleiter unserer Vorfahren. Dementsprechend war auch die Beschaffenheit der Häuser, Wohnungen, Straßen, kurzum das Aussehen des ganzen Dorfes. Die Menschen legten auf diese äußerlichen Dinge auch weniger Wert, hatten dafür andere Eigenschaften, die wir heute in diesem Maß nicht besitzen. An den Abenden in der Advent- und Fastenzeit wurde in jedem Haus der Rosenkranz gebetet. Die nachbarliche Hilfe wurde bei allen Anlässen praktiziert. In Freud und Leid standen sich die Einwohner nahe. Die Burschen und Mädchen trafen sich abends in den Spinnstuben in fröhlicher Gesellschaft. An den langen Winterabenden kamen oft die Nachbarsfamilien zu einem "Schwätzchen" zusammen.

 

Alljährlich im Herbst wurden von Zwetschen und Birnen Kraut gekocht. Zum "Zwetschgenkernen" und "Bierneschälen" fanden sich wiederum die Nachbarschaft und die Dorfjugend ein. Hierbei ging es meist lustig zu. Eine echt dörfliche Angelegenheit war das Brotbacken in den Backhäusern. Hier versammelte sich ebenfalls Jung und Alt zu einem "Verzehlchen". Die Alten gaben meist ihre Erlebnisse aus der Soldatenzeit, die sie schon hunderte Mal erzählt hatten zum Besten. Dieses Thema war Hauptgesprächsstoff der Männer und wurde bei jeder passenden Gelegenheit erneuert. Das Wasser für den häuslichen Gebrauch mußte an den Dorfbrunnen geholt werden. Diese standen in der Nähe der beiden Backhäuser und ein weiterer in Guckheim an der Wegeabzweigung nach Westerburg. In späteren Jahren wurde an der Schule ebenfalls ein Brunnen angelegt. Nicht selten trafen sich die Leute an den Brunnen und erzählten sich die neuesten Dorfbegebenheiten. Vor dem letzten Krieg wurden die Brunnen abgerissen.


Der Schulbetrieb in unserem Dorf wurde Mitte des 18. Jahrhunderts aufgenommen. Es gab auch keine Schulgebäude, und so mußte der Unterricht reihum in den Wohnungen abgehalten werden. Im Jahre 1820 mietete die Gemeinde ein Schulzimmer in "Perersch-Haus". 1833 wurde ein Schulgebäude gebaut. Die Lehrer wurden schlecht besoldet und übten daher neben ihrem eigentlichen Beruf noch die Landwirtschnft aus. Nicht selten wurden die Schüler während des Unterrichtes zum Stallmisten, Viehputzen und Füttern eingeteilt.

 

Alte Scheune in GuckheimIn früheren Jahren trieb der Kuhhirt Hans-Georg Koch, genannt "Hannjer" das Vieh auf die Weide. Die Gemeinde hatte 1886 im "Eichental" an dem Herschbacher Weg eine Viehweide angelegt. Koch versah den Dienst als Kuhhirte von frühester Jugend bis ins hohe Alter. Im Sommer des Jahres 1951 mußte er den Dienst aufgeben. 1921 wurde unsere Gemeinde an das Stromnetz angeschlossen. Die Wasserleitung wurde 1926 verlegt. Die Dorfstraßen und ein Teil der Feldwege wurden ausgebaut. Die Dorfkanalisation wurde gelegt, und die Morastgräben entlang den Dorfstraßen verschwanden. Auf dem Rothenberg wurden eine neue Kapelle und im Dorf die neue Kirche errichtet. Das Backhaus in Wörsdorf wurde zu einem Jugendheim und die alte Schule zu einem Kindergarten umgebaut. Baugelände wurde erschlossen und neue Häuser wurden errichtet.


Vieles hat sich in unserem einst so stillen Westerwalddörfchen in den letzten Jahren geändert. Die Einwohner sind gegenüber den Problemen der Neuzeit aufgeschlossen, und so wird es auch möglich sein, die noch vor uns liegenden Aufgaben zu lösen.

aus einem Beiheft anlässlich der Einweihung der St. Johanneskirche in Guckheim im Jahr 1963
(Autor unbekannt, wahrscheinlich Karl Jung), Text redaktionell bearbeitet

 

 

 
Sie befinden sich hier: Start Historie